gegen jeden Antisemitismus
Gegen jeden Antisemitismus

Solidarität mit Israel

Die PDF Version hier: http://israel-soli.de/download/09-11-07_solidaritaet.pdf

Hitler hat den Menschen im Stande ihrer Unfreiheit einen neuen kategorischen Imperativ aufgezwungen: ihr Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe.
Theodor W. Adorno(1)
Nur wenige Tage im Jahr sind historisch so eng mit dem Nationalsozialismus und damit mit dem Antisemitismus verknüpft, wie der 9. November. Der Versuch Hitlers und seiner Gesinnungsgenossen am 9. November 1923 mit dem Marsch auf die Münchner Feldherrnhalle die "nationale Revolution" vom Zaun zu brechen, endete zum Glück als größenwahnsinnige Farce. Schon wenige Jahre später jedoch wurde der Traum der nationalsozialistischen "Revolutionäre" Wirklichkeit. Am 9. November 1938 wurde ihre mörderische Ideologie in einem bisher unbekannten Maße praktisch. In der Nacht vom 9.11. auf den 10.11.1938 wurden in Nazideutschland hunderte Synagogen abgebrannt, jüdische Geschäfte zerstört und tausende von Juden in Konzentrationslager verschleppt. Die deutsche Bevölkerung sah diesem grausamen Treiben größtenteils widerstandslos zu. Viele beteiligten sich aktiv daran, schließlich begann nun endlich genau das in konsequenter Form umgesetzt zu werden, wofür man die NSDAP, die sich stets durch einen kompromisslosen und auf Vernichtung zielenden Antisemitismus profilierte, gewählt hatte. Dass große Teile der deutschen Bevölkerung diesen wahnhaften Antisemitismus teilten, dieser daher alles andere als eine Verrücktheit einer bedeutungslosen Minderheit, oder ein Manipulationsmittel der "herrschenden Klassen", sondern oberster Zweck und Wesen des NS war, darf beim Erinnern an die Opfer der Shoah nicht vergessen werden. Am heutigen Tag gilt es, die Erinnerung an die Opfer der deutschen Volksgemeinschaft aufrecht zu erhalten, um einem Vergessen dieser historisch singulären Gräueltaten entgegen zu wirken. Ebenso wichtig ist es aber, sich dafür einzusetzen, dass Ähnliches sich nicht wiederhole, dass Antisemiten nicht nochmals die Möglichkeit erhalten, die von ihnen ersehnte Vernichtung aller Jüdinnen und Juden umzusetzen. Einzig der Staat Israel kann Juden heute einen gewissen Schutz vor einem globalisierten Antisemitismus bieten.
Die Konsequenz aus dem in der Geschichte der Menschheit bisher einmaligen Zivilisationsbruchs der Shoah und dem Fortdauern ihrer Grundlage, der antisemitischen Ideologie ist für uns daher eine bedingungslose Solidarität mit Israel. Israel zu verteidigen ist die erste Forderung an jeden Antifaschismus nach Auschwitz.

Keine Bündnispolitik mit Antizionisten

Wir, das Bündnis gegen Antisemitismus Leipzig (BgAL) wurden im Vorfeld der Kundgebung vom Vorbereitungskreis des "Bündnisses gegen Thonsberg" angefragt, um einen Redebeitrag zum Gedenken an den 9.11.1938 zu halten, sowie gegen den Antisemitismus Stellung zu beziehen. Dieser Anfrage wurde zunächst bereitwillig entsprochen, ist es doch genau unser Anliegen hierzu klare Positionen zu vertreten und für diese in der Öffentlichkeit einzutreten. Nach einiger Zeit sahen wir uns jedoch gezwungen, unsere Zusage einer Beteiligung an der heutigen Veranstaltung zurückzuziehen. Es stellte sich heraus, dass sich in dem breiten Bündnis "antifaschistischer" Gruppen, das sich für den heutigen Tag zusammengefunden hatte, auch solche organisieren, die einen untragbaren Antiamerikanismus und Antizionismus vertreten. Diese Ideologien sind ihrer theoretischen Grundlage nach eindeutig mit dem Antisemitismus verbunden, was wieder und wieder dargelegt wurde und was hier zu wiederholen den Rahmen sprengen würde. Diese Salonfähigkeit gefährlicher Positionen wollen wir nicht durch eine Teilnahme an einem "breiten Bündnis" unterstützen. Vielmehr sind sie als Weltanschauungen zu kritisieren, die jeder Form menschlicher Emanzipation diametral entgegenstehen.
Unter den Veranstaltern der heutigen Kundgebung zum 9. November befinden sich skandalöserweise genau jene, die eine Solidarität mit Israel als "reaktionär" und "imperialistisch" verunglimpfen und sich daher weltweit mit allen verbünden und solidarisieren, die den Schutzstaat der Juden von der Landkarte streichen wollen, was jedoch für die anderen beteiligten "Antifaschisten" kein Problem darzustellen scheint. Indem beispielsweise Abgeordnete der Partei "Die Linke" offen Solidarität mit Hamas oder Hisbollah üben; indem die selbst ernannte "Antikriegspartei" DKP (Deutsche Kommunistische Partei) die Hisbollah als legitimen libanesischen Widerstand bezeichnet und den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad als Idol des antiimperialistischen Kampfes auserkoren hat; indem die SAV (Sozialistische Alternative) die israelischen Militäreinsätze gegen Islamisten als Kriegsverbrechen diffamiert - wünschen sich diese "Linken", mehr oder weniger bewusst, die existentielle Vernichtung Israels und seiner Bewohnerinnen herbei.
Doch nicht nur die aggressive Bekämpfung Israels macht eine Zusammenarbeit mit den Steinzeitkommunisten von SAV & Co gerade an einem solchem Datum unmöglich. Zynisch wird eine Beteiligung der besagten Gruppen an einer solchen Veranstaltung vollends, wenn man bedenkt, dass es in deren theoretischer Tradition jahrzehntelang ausschließlich die "deutsche Arbeiterklasse" war, die als Opfer des Faschismus beachtet wurde, obwohl diese zum großen Teil ebenso freiwillig in der antisemitischen und rassistischen deutschen Volksgemeinschaft aufging, wie die anderen Klassen der Weimarer Republik. Bei DKP und Konsorten wird also eine Gruppe, die historisch keineswegs einen eindeutigen Opferstatus innehatte, beim Gedenken in den Vordergrund gestellt, von den Opfern der nationalsozialistischen Vernichtungswut wird jedoch weitgehend geschwiegen.

Antizionismus von "links" und "rechts"

Dass Antifaschismus damals wie heute vor allem die Verteidigung demokratischer Verhältnisse gegen ihre negativen Aufhebungsversuche bedeutet, ist gerade im Hinblick auf die postnazistische Demokratie Deutschland nicht von der Hand zu weisen. Die seit annähernd 60 Jahren existierende Demokratie konnte nur durch die erfolgreiche militärische Niederschlagung des Nationalsozialismus etabliert werden. Ein Antifaschismus, der heute ein sofortiges Ende aller Kriege fordert, und seien es Verteidigungskriege der Demokratien, fordert damit gleichzeitig die geschichtsrevisionistische Aufarbeitung der Vergangenheit, die für die alliierten Soldaten und Widerstandskämpfer nur Hohn übrig hat. Dadurch wird die heutige militärische und terroristische Bedrohung der Demokratien - allen voran die existentielle Bedrohung des einzigen demokratischen Staates im Nahen Osten, Israel - verdrängt. In antizionistischer Manier wird Israel genau im Gegenteil als größter Störer des Weltfriedens wahrgenommen, der sich nicht so Recht in die ach so friedliche Völker- und Staatengemeinschaft einfügen möchte(2). Die Befreiung der Welt vom halluzinierten "Völker zersetzenden Grundübel" kann in den Augen der Gegner Israels nur durch dessen Auflösung erreicht werden. Dieses antisemitische Grundmuster, wird von "Linken" wie von "Rechten" gleichermaßen bedient(3). Gäbe es heute keinen souveränen, verteidigungsfähigen israelischen Staat, dann wären Juden und Jüdinnen weltweit wieder vogelfrei, und damit - und dies muss gerade heute noch einmal betont werden - schutzlos Enteignung, Vertreibung, Pogromen und Vernichtung ausgesetzt.
Wer dies verkennt, ist kein Antifaschist und sollte aus einem Bündnis wie dem heutigen ausgeschlossen werden. Eine Wiederholung der historischen Querfrontbildung scheint sich angesichts (partei-)übergreifender Inhalte(4) und der Forcierung von Bündnispolitik abzuzeichnen, daher ist der verbale Angriff auf reaktionäre Einzelpersonen, Gruppierungen, Vereine und Parteien mehr als geboten. Die Verteidigung demokratischer Grundfreiheiten in Israel (und überhaupt) ist nur mit einer souveränen staatlichen Macht möglich, dies schließt Mittel des Krieges gegen die vernichtungswütigen Gegner nicht aus. Mit dem Zuspitzen der weltpolitischen Lage wird ein militärisches Eingreifen Israels gegen den Iran immer wahrscheinlicher. Dies ist auch konsequent, denn die Geschichte hat gelehrt, Ideologen wie Mahmud Ahmadinedschad, der seine Vernichtungsdrohungen schon oft wiederholt hat und dessen inhaltliche Überschneidungen zum NS nicht von der Hand zu weisen sind, nicht zu unterschätzen. Beschwichtigendes Appeasement, naiver Pazifismus oder Indifferenz, die sich vor einer klaren Positionierung scheut, sind keine Lösungen. Ein Blick auf die Geschichte zeigt, dass Gewalt, wie eingangs erwähnt, manchmal notwendig ist, um sich zu verteidigen oder um bessere Zustände zu schaffen, in denen so etwas wie Meinungsvielfalt, Frauenrechte, Religionsfreiheit und freies Ausleben der Sexualität möglich ist oder wird. Mit der Besinnung auf die nichtfriedlichen Zustände unserer Zeit müssen antizionistische Positionen - ob sie nun von "rechts" oder "links" kommen - scharf kritisiert und angegriffen werden, da sie Antisemitismus in alter sowie neuer Form transportieren und dadurch "diskursfähig" machen.

Konsequenzen

Was wir als BgAL einfordern ist nichts anderes als eine interessengeleitete Politik gegen antisemitische Ideologie, egal ob diese aus der "Mitte" von "Rechts" oder von "Links" kommt, ob sie klassisch als Rassenlehre, in einer islamistischen Variante oder als antiimperialistischer Antizionimsus daherkommt. Einen antifaschistischen Massenansatz, der versucht eine kritische Auseinandersetzung um Inhalte zu umgehen, lehnen wir ab. Dieser Ansatz, der nur um die Anzahl seiner Demoteilnehmer besorgt ist, sich darauf beschränkt irgendwie "gegen rechts" zu sein und
Denn es gilt nach wie vor:

Wer nicht Partei ergreifen kann, der hat zu schweigen.
Walter Benjamin
gleichzeitig klare antizionistische Inhalte duldet, ist nicht hinnehmbar. Wir fordern daher alle Antifaschisten auf, sich klar zu positionieren und keine Bündnisse mit denjenigen einzugehen, die schon heute weniger als nichts tun, um eine Wiederholung des antisemitischen Massenmords zu verhindern.

Bündnis gegen Antisemitismus Leipzig, 9.11.2007

Fußnoten:
(1) Theodor W. Adorno: Negative Dialektik. In: Gesammelte Schriften Bd. 6 , Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1998, S. 358.
(2) Diese wahnhafte Annahme teilen immerhin 65 % der deutschen Bevölkerung. Vergleiche dazu die Studie der EU: http://ec.europa.eu/public_opinion/flash/fl151_iraq_full_report.pdf
Dabei ist es gerade in Deutschland für eine "Bewältigung" der Vergangenheit von Vorteil, die ehemals deutsche Rolle heute in Israel zu verorten. So bezeichnete der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann in einer 2003 die Juden als "Tätervolk" und erhielt dafür viel Unterstützung aus großen Teilen der deutschen Bevölkerung.
(3) So ist es nicht verwunderlich, dass während der Antiglobalisierungsbewegung gegen den G8-Gipfel große Affinitäten in der Themenwahl von Nazis zu "Linken" zu finden waren, und sich die Parolen, Symboliken und Inhalte ähnelten.
(4) Die außenpolitischen Schnittstellen zwischen NPD und "Der Linken" sind mehr als eindeutig und keineswegs Vereinahmungen linker Politik durch Nazis. Daher sind Initiativen der Jugendfraktion der Linken (Brief vom 6.August 2006) zu begrüßen, die sich von den antizionistischen Stellungnahmen der Bundestagsabgeordneten Lafontaine, Gehrke etc. distanzieren und ein israel-solidarisches Umdenken einfordern.

Quelle: http://israel-soli.de/
 
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